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18.09.2018 12:11 Alter: 83 days

Schweigen geht nicht! ESG-Vollversammlung solidarisiert sich mit Chemnitzer Pfarrer Christoph Herbst.


Foto: ESG

4. Vollversammlung der ESG vom 12. bis 16. September 2018 in Dortmund
Schweigen geht nicht! ESG-Vollversammlung solidarisiert sich mit Chemnitzer Pfarrer Christoph Herbst.

Mit ihren Beschlüssen und einer Resolution reagierte die 4. Ordentliche Vollversammlung des Verbands der Evangelischen Studierendengemeinden in Deutschland (ESG), die vom 12. bis 16. September 2018 in Dortmund tagte, auf aktuelle politische Geschehnisse und bezog Stellung zu wichtigen Herausforderungen unserer Zeit. So solidarisierten sich die Delegierten mit der Position des Chemnitzer ESG-Pfarrers Dr. Christoph Herbst: „Aber Schweigen geht nicht. […] ich würde mich dafür stark machen, nicht die Polarisierung zu verstärken, sondern in die Mitte zu rücken - WOFÜR zu stehen wir biblisch gefordert sind - für Gewaltlosigkeit, für die Schwachen und Heimatlosen, für Barmherzigkeit, für Dialog […]. Es gibt ethische Maßstäbe und Maßstäbe der Menschlichkeit, die unverbrüchlich gelten - auch in der Situation der Trauer und des Zorns nach dem Verbrechen des Totschlags. Das versuche ich hier vor Ort immer wieder stark zu machen.“

Im VV-Beschluss Nr. 11 stimmten die 120 Delegierten aus den rund 120 ESG-Ortsgemeinden gegen die Verschärfung des Kirchenasyls: „Wir kritisieren die Beschlüsse der Innenministerkonferenz der Länder (IMK) vom Juni 2018 zum Kirchenasyl und die Umsetzung durch das BAMF seit dem 1. August scharf. Diese Verschärfung ist vor allem eine Herausforderung und Belastung für die Geflüchteten im Kirchenasyl. Gleichzeitig erschwert sie den Gemeinden die Durchführung eines Kirchenasyls in emotionaler, finanzieller und logistischer Hinsicht. [..]Trotz all dieser widrigen Umstände ermutigen wir die ESGn, sich mit Geflüchteten zu solidarisieren. Kirchenasyle durchzuführen oder zu unterstützen ist Menschenrechtsarbeit und zugleich gelebte Nächstenliebe. Dies gehört zu unserem Auftrag als Teil der Kirche des Flüchtlingskindes Jesus.“

Im Beschluss Nr. 12 setzte die Vollversammlung der „Festung Europa“ eine „Festung der Menschlichkeit“ entgegen: „Die politische Situation von zunehmenden Spaltungen und Abschottungen der Staaten innerhalb Europas untereinander ist nach unserem Empfinden besorgniserregend und gefährlich. Unsere Generation hat von den Früchten einer Politik profitiert, die ein geeintes, friedvolles und multikulturelles Europa geschaffen hat. Diese europäischen Werte haben ermöglicht, Grenzen zwischen Staaten und zwischen Menschen zu überwinden. Wir haben diese Ideale als Selbstverständlichkeit verinnerlicht. Ein feindseliges Gegeneinander auf diesem Kontinent ist uns heute glücklicherweise fremd […]. Die christlichen Gebote von Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit rufen uns dazu auf, jede und jeden ohne Beachtung ihrer Herkunft, Kultur und Religion als gleichberechtigte Menschen zu sehen und sich ihrer Sorgen und Probleme anzunehmen […].

„Da müssen wir Flagge zeigen!“, rief deshalb auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, gegen Menschenfeindlichkeit auf. Nach seinem Vortrag am Samstagmorgen stellte er sich in einer lebhaften Runde zwei Stunden den Fragen des Plenums. Neben aktuellen Fragen zu den Ereignissen im Hambacher Forst oder dem Einstehen für Menschenrechte in Genderfragen, diskutierte die Vollversammlung intensiv, wie junge Erwachsene nach ihrer Zeit in der ESG ihren Platz in Kirchengemeinden besser finden können. Nicht alle Gemeinden können Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen vorhalten. Eine bessere Vernetzung von Kirchengemeinden mit ihren Nachbargemeinden könnte die Attraktivität der Gemeinden insgesamt steigern. Zielgruppengerechte Angebote für junge Erwachsene und deren gezielte Einladung sollten zukünftig größere Bedeutung erlangen, forderten die Delegierten. Bedford-Strohm riet den Kirchengemeinden, einander zuzuhören, nach neuen Wegen zu suchen und insbesondere die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung auch im kirchlichen Kontext zu nutzen: „Es war eine lebendige Diskussion und eine tolle konstruktive Atmosphäre, in der wir diskutiert haben.“ Die Botschaft der Delegierten an die EKD war deutlich: Wir wollen Kirche aktiv mitgestalten, aber man muss uns das auch tun lassen! „Das ist sehr ermutigend und Rückenwind für die EKD-Synode im November, die sich genau diesem Thema widmet“, resümierte der Ratsvorsitzende zum Abschluss.

Die Bundes-ESG ist der Dachverband der ca. 120 Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinden an den Universitäts- und Hochschulstandorten in Deutschland. Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist Hannover (www.bundes-esg.de).

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